Es ist schon wieder passiert: Mit dem neuen GPT-5-Modell kehren unsichtbare Zeichen in KI-generierte Texte zurück. Wer jetzt ein Déjà-vu hat, liegt richtig – wir hatten im April bereits darüber berichtet, dass ChatGPT (genauer gesagt GPT-4o) seltsame Unicode-Zeichen wie das „Narrow No-Break Space“ einbaute. Damals schien es ein technischer Ausrutscher, der später still und heimlich behoben wurde.

Doch nun sind sie wieder da – und hartnäckiger denn je.
Was hat es mit diesen Wasserzeichen auf sich?
Von außen betrachtet sehen Texte aus GPT-5 ganz normal aus. Keine besonderen Formatierungen, keine sichtbaren Markierungen. Doch wer genauer hinschaut – oder besser gesagt: den Text in ein passendes Tool einfügt – entdeckt merkwürdige Leerzeichen, die mit der normalen Leertaste nichts zu tun haben.
Die Rede ist von Zeichen wie dem „Narrow No-Break Space“ (U+202F), dem „Zero-Width Space“ (U+200B) oder dem „Zero-Width Non-Joiner“ (U+200C). Sie tauchen bevorzugt bei Zahlen, Prozentwerten oder Einheiten auf – also an Stellen, an denen ein Text besonders präzise wirken soll. In längeren Artikeln kommen sie daher immer wieder vor.

Ob das Ganze ein absichtliches Wasserzeichen ist oder einfach nur ein Nebeneffekt der Modellarchitektur? Offiziell sagt OpenAI, es sei Letzteres – ein unbeabsichtigtes Nebenprodukt des Reinforcement Learnings. Trotzdem können diese Zeichen als technisches Erkennungsmerkmal dienen. Und genau das macht sie brisant.
So findest und entfernst du die versteckten Zeichen
Zum Glück braucht man kein Entwickler-Team, um die unsichtbaren Zeichen zu entdecken. Es gibt mehrere Wege, wie du sie sichtbar und wieder loswerden kannst:
1. Online-Tools nutzen
Eine einfache Möglichkeit ist die Seite invisiblecharacterviewer.com. Dort kannst du deinen Text einfügen und bekommst sofort angezeigt, welche unsichtbaren Zeichen enthalten sind.

2. Notepad++ verwenden
Noch effizienter geht’s mit mit einem kostenlosen Editor wie beispielsweise Notepad++. So funktioniert’s:
- Text aus ChatGPT kopieren und in Notepad++ einfügen
- Mit Strg + F die Suche öffnen und zum Tab „Ersetzen“ wechseln
- Eines der verdächtigen Zeichen (z.B. U+202F) in das Suchfeld einfügen
- Als Ersetzung ein normales Leerzeichen eingeben
- Auf „Alle ersetzen“ klicken – fertig
Das ist besonders hilfreich bei langen Texten, in denen mehrere Zeichenarten vorkommen.
Warum ist das überhaupt wichtig?
Weil diese Zeichen – ob absichtlich oder nicht – Rückschlüsse auf die Herkunft eines Textes zulassen. Plattformen, Lehrer:innen, Redaktionen oder Prüfsoftware könnten solche Spuren künftig nutzen, um KI-generierte Inhalte zu erkennen.
Das wirft Fragen auf: Wie transparent sollen KI-Texte sein? Muss ich meine Inhalte „reinigen“, bevor ich sie veröffentliche? Oder ist das Ganze ohnehin harmlos, solange niemand explizit danach sucht?

Wie schon in unserem damaligen Beitrag geschrieben: Auch wenn OpenAI keine offiziellen Wasserzeichen einbaut, können solche Zeichen faktisch als solche dienen.
Und was ist mit dem Stil?
Wasserzeichen hin oder her – auch stilistisch lassen sich viele KI-Texte erkennen. In unserem Beitrag „So machst du KI-Texte menschlicher – und zwar sofort“ zeigen wir, worauf du achten solltest:
- Stilistische Monotonie: Jeder Satz klingt gleich
- Wort- und Phrasenwiederholungen: Vor allem in kurzen Abständen
- Unpräzise Fachsprache: Begriffe werden schwammig oder falsch eingesetzt
- Generische Formulierungen: Floskeln, die überall passen könnten
- Besondere Satzzeichen: Etwa Gedankenstriche im Übermaß
- Übertriebene Sprache: Superlative, die an Werbung erinnern
Wenn du also nicht nur unsichtbare Spuren vermeiden willst, sondern auch den Stil aufpolieren möchtest, lohnt sich ein Blick in den Beitrag.
Unser Tipp
Wer regelmäßig mit ChatGPT (oder anderen KI-Tools) arbeitet, sollte sich dieser technischen Besonderheiten bewusst sein. Es geht nicht um Panikmache – sondern um Medienkompetenz. Unsichtbare Leerzeichen sind kein Drama, aber eben auch kein Zufall. Sie sind ein weiteres Puzzleteil in der wachsenden Debatte rund um Transparenz, Urheberrecht und KI-Ethik.

Und wer auf Nummer sicher gehen will: Text prüfen, Sonderzeichen entfernen, Stil schleifen – fertig.
Eure Rookies,
Niklas & Jan
