Künstliche Intelligenz hat das Programmieren verändert – und das ist keine Zukunftsvision mehr, sondern Realität. Immer mehr Menschen schreiben heute Apps, Websites oder Tools, ohne jemals eine Code-Zeile „per Hand“ verfasst zu haben. Möglich machen das Tools wie ChatGPT oder DeepSeek, die aus simplen Anfragen funktionierenden Code erzeugen. Der Begriff dafür: Vibe Coding.
Was auf TikTok und LinkedIn gern als kreativer Flow inszeniert wird – mit Lo-Fi Beats im Hintergrund und einen Energydrink neben der Tastatur – hat in der Realität oft ein anderes Gesicht. Denn Vibe Coding meint nicht das meditative Tippen im Hoodie, sondern das komplette Outsourcen der Entwicklungsarbeit an KI-Systeme. Oft von Menschen, die keinen technischen Hintergrund haben – und manchmal auch ohne das nötige Verständnis für Qualität, Sicherheit oder Skalierbarkeit.

Wie Vibe Coding in der Praxis abläuft
In der Praxis sieht Vibe Coding oft so aus: Man startet mit einer Idee – etwa „Ich brauche eine App für To-do-Listen“. Statt selbst zu programmieren, formuliert man einen Prompt an ChatGPT oder eine andere KI: „Erstelle mir eine Web-App mit Login, Aufgabenverwaltung und Datenspeicherung“. Die KI antwortet mit Code, den man kopiert, einfügt und testet. Es folgt: Fehlermeldung. Also wird nachgefragt, der Prompt angepasst, ein Bug gefixt – oft ohne genau zu wissen, warum er überhaupt da war. Danach kommt das nächste Feature: Priorisierung von Aufgaben, Anbindung an eine Datenbank, vielleicht noch eine Exportfunktion. Schritt für Schritt entsteht so eine Anwendung, die irgendwann sogar veröffentlicht wird. Der Prozess ist iterativ: prompten, warten, testen, scheitern, ausbessern, nachprompten, erweitern – oft mit fragwürdigem Architekturverständnis, aber erstaunlich sichtbaren Ergebnissen.
Der Code kommt von der KI – aber wer übernimmt die Verantwortung?
Das Versprechen ist verlockend: Du gibst der KI deine Idee, ein paar Funktionen und das gewünschte Design – und bekommst (vermeintlich) direkt eine fertige Anwendung zurück. Kein mühseliges Debugging, kein jahrelanges Lernen von Programmiersprachen. Klingt nach einem Gamechanger, oder?
In Wahrheit ist das eher ein Einfallstor für Chaos. Denn ohne ein Mindestmaß an technischem Verständnis merkt man oft erst zu spät, wenn der Code Sicherheitslücken hat, ineffizient ist oder einfach nicht das tut, was er soll. „Shit in, shit out“ – dieser uralte Grundsatz gilt auch für KI-gestützte Entwicklung. Wer nicht weiß, welche Fragen er der KI stellen muss, bekommt Antworten, die zwar beeindruckend aussehen, aber funktional nutzlos oder gefährlich sein können.

Zwischen Automatisierung und Verantwortung
Versteht uns nicht falsch: KI-gestützte Entwicklung ist nicht grundsätzlich schlecht – im Gegenteil. Sie kann Produktivität steigern, repetitive Aufgaben abnehmen und vor allem Anfängern den Einstieg erleichtern. Aber sie ist kein Ersatz für Erfahrung, logisches Denken oder grundlegendes Wissen über Softwareentwicklung.
Ein erfahrener Entwickler weiß, wann die Vorschläge der KI brauchbar sind und wann nicht. Er erkennt, ob der Code sauber ist oder nur auf den ersten Blick funktioniert. Diese Kompetenz fehlt Vibe Codern – und das ist das eigentliche Problem.

Vibe Coding als Einstieg – nicht als Ersatz
Vielleicht ist Vibe Coding am Ende das, was der Thermomix fürs Kochen ist: ein tolles Werkzeug, aber eben kein Garant für ein perfektes Ergebnis. Wer die Grundlagen kennt, kann mit beiden Tools Großartiges leisten. Wer sich jedoch blind auf sie verlässt, erlebt früher oder später sein blaues Wunder – sei es in Form von Softwarefehlern oder verkokelten Bratkartoffeln.
KI kann dich beim Coden unterstützen, inspirieren und manchmal sogar überraschen. Aber sie kann dich nicht ersetzen. Nicht als Entwickler, nicht als kreativen Kopf und nicht als Mensch, der Verantwortung für das übernimmt, was er in die Welt setzt.

Interesse an KI-Tools, die beim Programmieren helfen?
Wenn du wissen willst, welche Tools wirklich nützlich sind – von Copilot bis Cursor – dann schreib uns! Wir stellen demnächst gerne ein paar spannende Helfer vor.
Eure Rookies,
Niklas & Jan
