Stell dir vor, du scrollst durch deinen Instagram-Feed. Du siehst ein sympathisches Selfie mit inspirierender Caption, ein paar motivierende Kommentare darunter – alles wirkt echt. Doch was, wenn dir niemand dieser „Menschen“ jemals wirklich existiert hat? Willkommen in der Realität von morgen – oder vielleicht schon von heute?
Die Diskussion um die sogenannte „Dead Internet Theory“ – also die Vorstellung, dass das Internet zunehmend von Maschinen statt Menschen bevölkert wird – bekommt neue Nahrung. Spätestens seit Meta angekündigt hat, KI-Persönlichkeiten für Facebook und Instagram breit zugänglich zu machen, rückt diese Theorie näher an die digitale Wirklichkeit.

Wenn die KI nicht nur hilft, sondern übernimmt
Dass KI längst Content erstellt, ist keine Überraschung. Doch jetzt geht sie noch einen Schritt weiter: Sie übernimmt Social-Media-Profile, kommentiert, liked, postet – und wirkt dabei verdammt menschlich. Inzwischen existieren ganze Accounts, deren Inhalte, Bildunterschriften und sogar Interaktionen komplett von KI-Algorithmen stammen. Und das ohne, dass die Follower es bemerken.
Das erschreckende daran: Wir merken es kaum. Denn KI hat gelernt, was wir lesen wollen, wie wir schreiben und was gut ankommt. Likes, Shares, Kommentare – das alles kann heute automatisiert und realitätsnah von Maschinen übernommen werden.
Beispiel aus der Praxis: Instagram-AI-Agent
Ein spannendes Beispiel dafür ist der Instagram-AI-Agent von David-patrick-chuks, den wir testweise ausprobiert haben. Dieses Tool nutzt generative KI, um komplette Instagram-Aktivitäten zu automatisieren:
- Bilder posten,
- Beiträge liken,
- Kommentare generieren,
- Inhalte personalisieren – alles KI-gesteuert.

Besonders spannend ist die Möglichkeit, den KI-Agenten mit eigenem Material zu trainieren: über YouTube-Videos, Audiodateien, Webseiten oder Textdokumente. So lässt sich ein erstaunlich personalisierter Agent erstellen, der wirkt, als hätte er eine echte Persönlichkeit – inklusive Biografie, Schreibstil und Vorlieben.
Natürlich wollen wir euch auch konkrete Ergebnisse aus unserem Test zeigen – inklusive Bildmaterial und Textbeispielen. Schon jetzt ist klar: Es funktioniert – und zwar erstaunlich gut. Und das beste dabei? Es ist aktuell komplett kostenlos.
Der Praxistest
Um die KI zu testen, haben wir es mit unserem eigenen Instagram-Account dierookies versucht.
Vorab: Die Installation vom Instagram-AI-Agent ist aktuell eher für technisch versierte User. Neben der Installation von verschiedenen Entwicklungsumgebungen wird das meiste per Texteditor und PowerShell konfiguriert und gesteuert. Das ist zwar nicht einsteigerfreundlich, funktioniert aber nach der Einrichtung richtig gut.

Nachdem man das Tool startet, öffnet sich Chrome in der Entwicklerumgebung. Der Instagram-Feed wird geladen und der Instagram-AI-Agent beginnt die Arbeit. Er scrollt dabei durch den Feed, liket und kommentiert Beiträge.
Dabei schafft es das Tool, Antworten sowohl auf englisch als auch auf deutsch zu schreiben. Und das macht es aus unserer Sicht überraschend gut – thematisch immer nah dran, manchmal aber dann doch erkennbar unmenschlich.


Wie findet ihr das Ergebnis? Überzeugt euch die KI?
Wie erkennt man KI-Kommentare (noch)?
Derzeit sind KI-generierte Kommentare oft noch an floskelhaften Formulierungen oder übertriebenem Enthusiasmus zu erkennen („Amazing post! You’re an inspiration!“). Doch mit jedem Update werden sie subtiler, kontextsensitiver – und irgendwann vielleicht ununterscheidbar.
Technisch könnten Wasserzeichen oder digitale Signaturen helfen, solche Inhalte zu markieren. Doch solange das nicht verpflichtend ist, bleibt der Großteil der KI-Spuren unsichtbar. Auch die Social-Media-Plattformen selbst haben wenig Anreiz, diese Inhalte zu begrenzen – immerhin sorgen sie für Engagement und Aktivität.
KI als Meinungsmacher? Gefährlicher als nur ein paar Likes
Was auf Instagram mit automatisierten Kommentaren beginnt, kann auf politischer Ebene schnell ernste Konsequenzen haben. KI lässt sich nicht nur für kreative Inhalte nutzen, sondern auch zur gezielten Meinungsbildung – oder Manipulation. Ein aktuelles Beispiel: Laut Medienberichten wurden bereits Botnetzwerke entdeckt, die darauf ausgelegt waren, die Stimmung der vergangenen Wahlen zu beeinflussen. KI-gesteuerte Accounts posten dabei massenhaft politisch gefärbte Inhalte, kommentieren unter realen Profilen und erzeugen ein künstliches Meinungsbild.
Was früher Handarbeit war – tausende Fake-Profile einzeln betreiben – geht heute automatisiert, skalierbar und deutlich glaubwürdiger. Die Gefahr: Wenn Nutzer:innen glauben, ihre Timeline bilde den gesellschaftlichen Konsens ab, obwohl sie in Wahrheit von KI-Bots dominiert wird, entsteht eine verzerrte Wahrnehmung der Realität. Was wie harmloser Spam wirkt, kann somit gezielte Desinformation oder Meinungsmache sein – ob im Wahlkampf, bei Debatten über Migration oder bei globalen Krisenthemen.
Und was bedeutet das für uns?
Wenn KI-Avatare mit KI-Posts und KI-Kommentaren interagieren – wo bleibt da der Mensch? Die Grenze zwischen echt und künstlich verschwimmt zunehmend. Was einst als sozialer Austausch begann, droht zu einem Algorithmus-Festival zu werden. Und mit jeder neuen KI-Funktion – sei es bei Instagram, TikTok oder Threads – wird Social Media ein Stück mehr zu einer Bühne für Maschinen.
Natürlich bringt das auch Chancen: Mehr Reichweite mit weniger Aufwand, Inspiration auf Knopfdruck, Community-Management in Teilzeit. Doch der Preis dafür ist Authentizität – und womöglich auch Vertrauen.
Social Media steht an einem Wendepunkt. Die Werkzeuge für KI-Interaktionen sind längst da – leistungsfähig, leicht zugänglich und nahezu unsichtbar im Einsatz. Wer durch seine Feeds scrollt, scrollt längst nicht mehr nur durch menschliche Gedanken – sondern durch Texte, die von Maschinen gelernt wurden, wie man Mensch wirkt.
Es ist also höchste Zeit, sich zu fragen: Wollen wir Social Media noch selbst gestalten – oder überlassen wir es bald ganz der KI?
Eure Rookies,
Niklas & Jan
